Donnerstag, 8. Dezember 2011

Becky - Was passieren kann, wenn ein Polizei-Spitzel den Bezug zur Realität verliert!

Ein langjähriger Bekannter spielt verrückt und erst durch den Zeitungsartikel über seine Untaten wurde die Spitzel-Tätigkeit bei seinen Drogen-Freunden bekannt

Schon, als ich im Alter von 16 Jahren noch mit Matthias zusammen war, lernte ich Paul kennen. Er hatte schon lange eine nette Freundin und war so ziemlich der „normalste“ unter unseren Freunden und Bekannten, die Drogen nahmen - zumindest rein äußerlich. Er war immer ordentlich und unauffällig gekleidet (kein Hippie-/Kiffer-Style) und auch seine Frisur war sehr angepasst. Paul und seine Freundin Isabel waren die Drogen-Bekanntschaften, die man auch gern einmal nach Hause kommen lassen konnte, denn sie waren absolut vorzeigbar, ohne skeptische Blicke von Eltern oder Nachbarn zu kassieren, von wegen langhaariges Kiffer-Pack, usw.. Paul arbeitete als Maschinenführer und war stets sehr darum bemüht, dass auch er nicht mit bekannten Drogenkonsumenten aus unserer Stadt gesehen wurde. Ihm war es eben sehr wichtig, in der Öffentlichkeit die zum Teil auch etwas spießige Fassade aufrecht zu erhalten. Sobald Paul und Isabel bei Matthias oder später auch bei Stefan und mir zu Besuch waren, kifften sie, was das Zeug hielt und dem Alkohol war Paul auch nicht wirklich abgeneigt. Im Gegensatz zu Isabel nahm Paul auch gerne mal einen LSD-Trip und später schnupfte er auch Speed, Kokain und dann schließlich auch Heroin, so wie beinahe alle in unserer Umgebung, die den Drogen nicht abgeneigt waren. Irgendwann aber übertrieb es Paul immer wieder auch mit Alkohol und Tabletten (Diazepam, Rohypnol und so Zeug) und hatte dadurch so manche Aussetzer, bei denen er auch aggressiv wurde und in so manche Schlägereien verwickelt war. Das hat Isabel nicht mehr mitgemacht und so trennte sich das damalige Traumpaar schließlich.

Schon kurze Zeit später hatte Paul eine neue, jüngere, adrette Freundin, die zwar auch über alles Bescheid wusste, was er so trieb, aber die er aufgrund ihres jungen Alters gut im Griff hatte, was ihren eigenen Drogenkonsum anging. Im Gegensatz zu Isabel machte sie aber auch viel mehr mit und nahm seine gelegentlichen Aussetzer eben so hin. Zwar kannte ich Paul schon ziemlich lange, aber nicht wirklich gut. Er war eher so ein oberflächlicher Typ und ich hätte ihn jetzt nicht als wirklichen „Freund“ bezeichnet. Ich habe ihm nie wirklich hundertprozentig vertraut und sah ihn eher als netten, alten Bekannten, der ab und zu erst bei Matthias und später dann bei Stefan vorbeischaute, um Drogen zu kaufen und konsumieren. Er ließ sich nur gelegentlich bei uns sehen und wir wussten eigentlich nie genau, was er sonst noch so trieb. Wenn er etwas erzählte, dann von seiner Familie, dem Job oder der Freundin.

Eines Tages fand ich in der Wochenzeitung unseres Landkreises den folgenden Zeitungsartikel und es dauerte schließlich nicht lange, bis es sich in unseren Drogenkreisen herumgesprochen hat, dass es sich dabei um „unseren“ Paul handelte. 

Bitte auf den Zeitungsartikel klicken, dann erscheint er in Originalgröße und ist gut zu lesen!


Das war natürlich ein Schock für alle. So witzig sich der Bericht auch anhört, so machte sich natürlich jeder darüber Gedanken, inwieweit Paul mit seinen jeweiligen eigenen Problemen mit der Polizei zu tun hatte und welche Informationen, die die Drogenfahndung plötzlich hatte, wohl von ihm stammten. Wir erfuhren daraufhin dann auch noch die Hintergründe und was wirklich hinter dem Zeitungsartikel steckte, aber nicht bekannt wurde (was in der Zeitung steht, handelt ja meist von den Gerichtsverhandlungen und da beschönigt ja logischerweise jeder Angeschuldigte seine Schandtaten so gut es geht und verheimlicht natürlich auch so einiges). Natürlich lagen Paul´s Gründe, sich als Kommissar auszugeben, ganz woanders! Er hatte tatsächlich als V-Mann für die Kripo gearbeitet, nachdem sie ihm irgendwann einmal den Drogenkauf und –konsum nachweisen konnten. Man muss wissen, dass man damals in Bayern schon von der Drogenfahndung verfolgt wurde, wenn man sich „bloß“ einmal in der Woche mit Cannabis für den Eigenbedarf eindeckte. Es gehörte also wirklich nicht viel dazu, in unserer Gegend bei der Kripo aufzufallen und Hausdurchsuchungen sowie Telefonabhörungen standen selbst bei den kleinsten Konsumenten an der Tagesordnung. Um sich so „gut wie möglich“ aus der Affäre zu ziehen, bot Paul der Kripo an, für sie zu arbeiten und sie mit Infos aus der Drogenszene zu versorgen, weil das Bekanntwerden als Drogenkonsument für ihn als „Saubermann“ ja natürlich der Super-Gau war. Trotz dieser heiklen Situation war er dennoch immer noch drogensüchtig. Es wäre also dumm gewesen, die Leute bei der Polizei zu verraten, von denen er die meiste Zeit die Drogen bekam. Somit haben auch Stefan und ich uns nicht in „Paul´s Akten“ wieder gefunden. Zum Glück! Obwohl sich Paul auch in dieser Zeit nur noch äußerst selten bei uns blicken ließ, vielleicht auch deshalb, um uns herauszuhalten. 

Naja, Paul ist seine V-Mann-Tätigkeit bei der Polizei dann wohl doch insoweit zu Kopf gestiegen oder aber er wollte nur das Beste aus dieser Situation herausholen, denn er hatte tatsächlich den Nerv, sich nicht nur in der Disko, wie in dem Zeitungsartikel beschrieben, ein paar Ausweise zeigen zu lassen, sondern er hatte sich des Öfteren schon vor Diskotheken als Kripo-Drogenfahnder in Zivil ausgegeben. Dabei hatte er es vor allem auf Leute abgesehen, welche wie Drogenkonsumenten aussahen, sie einschüchterte und sich von ihnen ihren Drogenvorrat aushändigen ließ, den sie bei sich hatten. Die Leute waren bestimmt saufroh, dass sie danach nie mehr etwas von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft gehört haben und dieser vermeintliche Drogenfahnder wohl doch gut drauf war und ihre kleinen mitgeführten Drogenmengen nicht weiter verfolgt wurden. Paul hingegen freute sich, weil er sich durch seine oftmals wohl oscarreifen Auftritte mit Drogen und Geld versorgen konnte! Wenn er nämlich sah, dass jemand nicht angegurtet war, dann nahm er ihnen natürlich auch die – damals noch – 40,00 DM Strafe dafür ab! Paul hatte sich irgendwoher auch eine gefälschte Polizeimarke besorgt, die er bei seinen „Einsätzen“ dann natürlich auch vorzeigte. Auch in der Disko von dem Zeitungsartikel ließ er sich nicht nur die Ausweise zeigen, sondern fragte selbstverständlich auch nach Drogen. Das kam aber bei der Verhandlung damals nicht raus. Das wussten nur manche Eingeweihte, auch wenn es niemand besonders cool fand, dass er als Spitzel mit der Kripo zusammen arbeitete.

Tja, nachdem diese Aktion von Paul aufgeflogen war und er seine Bewährungsstrafe hinter sich hatte, habe ich eigentlich kaum mehr etwas von ihm gehört. Ich gehe davon aus, dass er sich aus der Drogenszene zurückgezogen und den Absprung geschafft hat. Eventuell hat er sich aber auch einer anderen Drogenszene angeschlossen, von denen niemand etwas von seinen Schandtaten als Drogen-Informant wusste. Vielleicht war das ja auch für die Kripo ein kleiner Denkzettel und sie haben sich danach genauer überlegt, wen sie künftig für ihre Spitzel-Dienste einspannen! Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele skurrile Geschichten man in so einem Drogenleben erlebt!

Bis demnächst,
Becky

© Drogenweltblog 2011

1 Kommentar:

  1. Dieses Posting würde jedem sehr helfen welcher dieses Posting lesen würde. Danke vielmals für das mitteilen eurer Gedanken.
    russische frauen

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Vielen Dank für Deinen Kommentar!
*-- Becky --*