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Donnerstag, 8. März 2012

TomCat - Die Lebens- und Drogen-Geschichte eines ehemaligen Frankfurter Drogendealers

Eine interessante Story über Drogen, Kriminalität, Familien-Dramen, Liebe, Verrat, Beziehungen, andere Länder und der Wunsch nach Frieden und Freiheit

Am 26.5.1962 gegen 17.00 Uhr erblickte ich im Bürgerhospital in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Leider waren die Umstände wenig erfreulich. Meine Mutter stammt aus einer angesehen Frankfurter Kaufmannsfamilie und hatte sich mit einem Marokkaner, der hier Urlaub machte, eingelassen. Er war kein Gastarbeiter, sondern kommt ebenfalls aus einer sehr reichen und angesehenen Familie in Tanger. Hier noch einige Eckdaten zu dem Lebenslauf meiner Mutter: Sie wurde während des zweiten Weltkrieges geboren und ist in Frankfurt aufgewachsen. Meine Großeltern hatten von ihren Eltern eine Sportgroßhandlung übernommen und diese über den Krieg gerettet. Allerdings hat dann ein linker Prokurist waggonweise Waren „umgeleitet“. Mein Großvater konnte aber einen großen Teil seines Privatvermögens retten. Mein Onkel Peter wollte die Konkurs gegangene Firma retten, aber das ist ihm leider nicht gelungen. Früher habe ich Peter häufig für einen Luftikus gehalten aber ich habe gemerkt, dass er sehr viele menschliche Qualitäten hat. Als ich zuletzt mit ihm Kontakt hatte, arbeitete er bei AWD - Frankfurt. Ich fand ja schon immer, dass diese Firma einen recht sektenähnlichen Charakter hat, aber wir haben ja Religionsfreiheit… Seine Frau und meine Mutter konnten sich nie riechen und ich habe damals den Fehler gemacht, auf meine Mutter zu hören. Meine Mutter war eben etwas frühreif und hatte sich auch schon an ihren Klavierlehrer „vergriffen“, was meiner Großmutter so gar nicht passte. Mein armer Vater wurde vor den Familienrat „zitiert“ und sollte da Rede und Antwort stehen, wie er sich die Zukunft mit meiner Mutter vorstellt. Der arme Kerl verließ fluchtartig das Land. Meine Mutter hatte eine „gute Freundin“, welche ihr riet, mich zur Adoption freizugeben, damit sie sich ihre Zukunft nicht versaut – es war damals Ende 1961. Lange Zeit konnte sich meine Mutter nicht entscheiden und auch nach meiner Geburt wusste sie noch nicht, was sie wollte – ein Glück, dass damals Abtreibungen verboten waren! Als ich meine Mutter kennengelernt habe, wurde ich bei ihrer gesamten Familie herumgereicht und durfte auch an ihren Partys teilnehmen, auf denen furchtbar wichtige Leute waren. Heute haben wir keinerlei Kontakt mehr zueinander.

Als sich meine Mutter dann doch endgültig für eine Adoption entschieden hatte, war ich etwa fünf Monate alt und lag dann schließlich in einem Adoptionsheim. Zwei Bewerber-Pärchen kamen in die engere Auswahl; ein amerikanisches Ehepaar und ein kinderloses deutsches Paar. Es gibt ein Bild von mir als Kind mit zwei verbundenen Händen – Ich hatte innerhalb von wenigen Tagen nacheinander mit beiden Händen immer absichtlich auf die heiße Herdplatte gefasst, nur um so wenigstens etwas spüren zu können. Dadurch, dass ich meine ersten Monate in diesem Adoptionsheim verbringen musste, habe ich das sogenannte Urvertrauen nicht mit auf den Weg bekommen. Um einen bildlichen Vergleich heranzuziehen: Wenn die Psyche eines normalen Menschen ein Garten ist, so war meine eine Wüste mit Vulkanen. Nur durch die Zauberkunststücke guter Psychiater geht es mir heute soweit ganz gut. Hätte es damals schon die Bewertungskriterien von heute gegeben, dann wäre ich in den USA aufgewachsen. So aber kam es, dass ich bei der deutschen Pflegefamilie aufgewachsen bin. Mein Pflegevater konnte selber keine Kinder bekommen und sexuell kam er wohl auch nicht mit meiner Pflegemutter klar. Jedenfalls gab es einige Seitensprünge. Sein Hobby war die Jägerei und ich hatte dann die dankbare Aufgabe, die Tier abzuhäuten und auszuweiden. Das hat auch gut zu meiner damaligen seelischen Situation gepasst…

Ich war hyperaktiv und gewalttätig. Meine arme Adoptiv-Schwester hatte furchtbar unter mir zu leiden und heute tut es mir selber weh, dass ich sie so übel behandelt habe. Schon in der ersten Klasse musste ich in eine andere Klasse versetzt werden, weil meine Lehrerin nicht mit mir zurecht kam. Ich war mal der Klassenclown und dann wieder vorlaut oder gewalttätig – eben auffallen um jeden Preis! Bis heute habe ich eine psychomotorische Störung; ich kann nicht richtig ruhig sitzen oder stehen und mache damit meine Mitmenschen oft nervös und ärgerlich. Hätte mir damals meine Adoptiv-Mutter das Ritalin (Wirkstoff: Methylphenidat) gegeben, was mir der Arzt verordnet hatte, dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen. Aber sie wusste es eben besser, nur musste ich den Preis dafür bezahlen und der war sehr hoch!

Die Studenten-Revolten, K1, Vietnam, Baader-Meinhof und Drogen waren die Dinge, die mich in meiner Kindheit in der Umgebung von Frankfurt begleitet haben. Der Kampf „rechts“ gegen „links“ wurde an den Schulen ausgetragen und häufiger waren die politischen Ansichten wichtiger, als die schulischen Leistungen. Nur die internationale Schule in Oberursel war dabei eine Ausnahme. Hier war der Mensch wichtig! Leider bin ich von dieser Schule geflogen, weil ich mit dem Sohn des Transportation-Direktors lange Finger gemacht hatte, aber so war ich halt damals, dennoch sollte die Zeit an dieser Schule mein ganzes zukünftiges Leben bestimmen. Das erste Mal in meinem Leben spürte ich so etwas wie Hoffnung und Zuneigung. Ich war mit meinem Lehrer Mr. Miller auch häufig in meiner Freizeit unterwegs, z. B. im Opel-Zoo in Kronberg oder im PX. Die Vorschriften in den Zoos waren damals auch noch nicht so streng und ich durfte das Nilpferd am Maul kraulen. Meine Adoptiv-Mutter war damit einverstanden, dass ich mit meinem Lehrer und seiner Freundin unterwegs war. Mr. Miller´s Freundin war ebenfalls Lehrerin an der FIS, dieser internationalen Schule. Einmal habe ich aber richtigen Mist gebaut mit der freundlichen Unterstützung meiner Chemielehrerin. Sie hatte uns radioaktive Laborproben mitgebracht und ich habe davon genascht! Als die Fußballweltmeisterschaft in München stattgefunden hat, war ich dort mit meinem Vater. Das war das einzige Fußballspiel (DDR gegen Ghana), das ich überhaupt in meinem Leben live gesehen habe. Das erste bewusste Ereignis der Weltgeschichte, an die ich mich erinnere, war die Mondlandung. Meine Großmutter, zu der ich inzwischen ein enges Verhältnis hatte, war J. F. Kennedy- und Peter Scholl-Latour-Fan – etwas, was auch ich verinnerlicht habe.

Außerdem hatte ich auch endlose Gespräche mit dem Schulpsychologen. Ich war damals einfach froh, dass sich jemand mit mir beschäftigt hat und so konnte ich auch häufig Klassenarbeiten schwänzen. Später war das dann nicht mehr so einfach… Ich weiß nicht, ob meine Drogenkarriere mit dem codein- und barbitursäurehaltigem Schlaf-Saft begonnen hat, den mir mein Kinderarzt verschrieben hat, mit dem Arzneischränkchen meiner Mutter oder mit dem Weinkeller meines Vaters; Drogen haben viele Gesichter! Die Realität war für mich damals so unerträglich, dass mir jedes Mittel recht war, um mich damit zu betäuben. Meine große Leidenschaft waren Aquarien, auch wenn ich ständig mit den Algen zu kämpfen hatte. Egal, ob es ein Guppy für einige Pfennige oder ein superteurer Zierfisch – diese Tiere haben es mir bis heute angetan. Dann habe ich auch häufig Eidechsen, Feldhamster oder Kaulquappen gefangen und leider häufig zu Tode gepflegt. Wildtiere sollten halt frei sein. Normalerweise können Feldhamster (Schwarzbauchhamster) so groß werden wie Meerschweinchen, aber sie beißen! In der Winterruhe kann man sie aber anfassen – da sind sie friedlich. Meine erste Schallplatte war MFSB Philly Sound, meine erste Zigarette Marlboro, mein erstes Hasch „grüner Türke“, mein erstes Heroin war weiß (H4). Meine erste Freundin (damals 15) – ich war 17 – hatte rote Haare, war Skorpion als Sternzeichen und sie war ein Einzelkind. Ihr Name war Ariane. Wir haben uns gefetzt, dass empfindsame Gemüter sich die Ohren zugehalten haben. Leider war sie in der Kiste nicht so temperamentvoll. Wir waren zusammen mit meinen Eltern in einem schönen Ferienhaus am Atlantik und mit meinem Adoptiv-Vater wollte ich ein Mittagessen angeln – so gab es Fischsuppe mit viel Wein und Weißbrot.

Die Treibjagten, an denen ich häufiger als Treiber teilgenommen habe, waren teilweise lebensgefährlich. Die Schützen haben oftmals gesoffen wie die Löcher und dann mit scharfer Munition in der Gegend herumgeballert. Die Hasen hatten somit eigentlich die gleichen Chancen zu überleben wie die Treiber selbst. Leider haben Schusswaffen auch in meinem Leben eine gewisse Bedeutung gehabt. Ich wollte mich mit 13 Jahren mit einer der Jagdwaffen meines Vaters erschießen, aber das Ding ist nicht losgegangen. Ich hatte 20 Jahre selber eine 9 mm Pistole, aber bis auf eine erschossene Verkehrsampel habe ich nie Unsinn mit dem Ding gemacht. Mit etwa 10 Jahren wollte ich mich auch aufhängen, weil ich mich nach der Ruhe des Todes gesehnt habe, aber ersticken ist ausgesprochen unangenehm und so habe ich mich an dem Seil, an dem ich gehangen habe, wieder hochgezogen bis ich den Ast des Baumes wieder packen konnte. Meine ganze Kindheit war – im Nachhinein betrachtet – schwarz in schwarz. Ich konnte mich über nichts freuen. Es war auch nicht so, dass es in meiner Umgebung keine Menschen gegeben hätte, die es gut mit mir gemeint hätten, aber ich war einfach nicht in der Lage, positive Gefühle zu empfinden. Obendrein hatte ich auch eine lange Phase, in der ich auf Typen gestanden bin. In meiner Zeit an der internationalen Schule habe ich erlebt, was mit ungesicherten Waffen passieren kann. Ich hatte eine Klassenkameradin – Jeanette, sie war blond und bildschön. Leider hat sie nur bedingt englisch gesprochen und ich kein französisch. Jedenfalls hat sie eines Tages in der Schule gefehlt. Unsere Lehrerin hat uns dann erklärt, was passiert war. Jeanette´s kleiner Bruder war krank und ihr Hausarzt hatte einen Hausbesuch bei ihnen gemacht. Aus Spaß hatte ihr kleiner Bruder eine Waffe von der Wand genommen und auf den Arzt geschossen. Der Mann war auf der Stelle tot! Freunde hatte ich nie; entweder bin ich zu egozentrisch oder zu anspruchsvoll – vermutlich beides. Vereine waren auch nicht unbedingt meine Stärke. Meine Adoptiv-Mutter meinte, ich solle Judo lernen – da bin ich dann aber rausgeflogen, weil ich den Lehrer verhauen habe, bzw. ich habe bei ihm die gleichen fiesen Tricks benutzt, wie er bei mir und das hat ihm nicht gepasst! Auch mit einem Fußballverein habe ich es einmal versucht, aber die Maus, die im Halbdunkel über das Spielfeld gerannt ist, fand ich viel interessanter, als den Ball – und das war´s dann auch wieder.

In meiner Kindheit sind wir meistens nach Bayern auf einen Bauernhof gefahren – aus Kostengründen. Meine Eltern waren der Meinung, dass ich mich nicht entsprechend gut verhalten würde für ein gutes Hotel – wie auch, mir hatte es ja niemand beigebracht. Mein Vater hatte sich gerade als Unternehmensberater für Speditionen selbständig gemacht. Häufig hatten wir das Haus abends voller Gäste. Als Kind fand ich das spannend und habe versucht, von den Leuten Geld abzustauben. Ich war ja so süüüüß! Der Preis dafür war, dass mein Vater oft wochenlang unterwegs war und meine Mutter war einfach überfordert. Die „Bestrafungen“ waren häufig Sache meines Vaters. Er war aber niemals brutal! Wenn ich mal wieder etwas angestellt hatte, hat mich mein Alter häufig über´s Knie gelegt und mit einem Hausschlappen verhauen. Auch wenn mir so etwas ins Haus stand, hatte ich niemals Angst – ich war häufig einfach nur froh, wenn mein Vater wieder im Haus war. Nur zweimal ist er zu weit gegangen; einmal hat er aus Wut zugeschlagen und ich bin mit dem Kopf gegen die Heizung geknallt. Er war aber über sich selber erschrocken, was man deutlich gemerkt hat und ihm hat das mehr weh getan, als mir meine Beule. Dann hat er auch mal mit der Schrotflinte auf mich gezielt; aber da hatte ich ihn auch ganz schön provoziert. Ich will meinen Pflegeeltern auch keine Vorwürfe machen; sie waren eben einfach überfordert mit mir. Das einzige, was ich nicht verstehe, ist, warum sie keine Hilfe angenommen haben. Meine kleine Schwester hatte unendlich unter mir zu leiden. Ich begreife bis heute nicht, warum ich sie so lange so gehasst habe. Gott sei Dank habe ich ihr niemals ernsthaft geschadet, obwohl es einmal beinahe soweit gekommen wäre. Alles, was mit Staat zu tun hatte, war für meine Adoptiv-Mutter suspekt; ich vermute, dass das mit ihrer Kindheit im Dritten Reich zu tun hatte. Mein Adopiv-Vater hatte vor einigen Jahren zwei Schlaganfälle und seither durchlebt er immer wieder die Schrecken dieses Krieges.

Geld war für mich auch immer so ein Problem. Von meinen Adoptiv-Eltern habe ich sehr viel davon bekommen, was verhindert hat, dass ich selbständig geworden bin und meine Drogen konnte ich so auch immer finanzieren. Allerdings musste ich deshalb auch keine Straftaten begehen. Jedenfalls standen Geld und Leistung bei mir nie in einem ausgewogenen Verhältnis. Was Macht bedeutet, habe ich gespürt, als ich einige Zeit Heroin verkauft habe. Man kann Menschen Schmerzen zufügen oder dafür sorgen, dass sie die entsprechende Dosis erhalten, um „normal“ weiterleben zu können. Natürlich ist es meistens so gewesen, dass die Kunden kamen, kauften und gingen, aber mit der Zeit habe ich die Leute besser kennengelernt und mit einigen davon habe ich heute noch Kontakt. Eine meiner Kundinnen – Karin – ist die Tochter von einem Bundestagsabgeordneten aus Bayern. Wenn ich sie heute in Frankfurt sehe, fallen mir alle meine Sünden ein. Sie erzählt immer, wie wichtig ihr ihre Freiheit ist und dann zieht sie an der Crackpfeife – Kommentar überflüssig! Sie hat zwei Töchter von zwei verschiedenen Männern. Die zwei Väter sind ganz o.k. und mit einem von beiden bin ich sogar befreundet. Er gibt es zwar nicht zu, aber ich glaube, dass er immer noch an Karin hängt. Er heißt Stefan und leider ist auch er heroinabhängig, aber er führt ein normales, geregeltes Leben, hat ein schönes Haus und fährt einen großen Mercedes. Er arbeitet hart dafür und ich hoffe, dass er bald eine neue Frau findet. Ich glaube, das wichtigste für einen Drogenabhängigen ist es, Verantwortung zu übernehmen. So kann man lernen, an und für andere zu denken und das ist der erste Schritt aus der Abhängigkeit. Wenn man einem Mädchen das Kind wegnimmt, weil sie abhängig ist, verliert sie auch noch den letzten Halt. Natürlich muss man auch das Wohl des Kindes berücksichtigen, aber eine Mutter kann man nicht ersetzen! Ich habe Kinder erlebt, die in einer absoluten Subkultur aufgewachsen sind und die waren nachher die totalen Spießer – z.B. Yvonne und Ingo waren Bert´s Kinder. Als ich etwa 15 Jahre alt war, habe ich mit einer Nachbarin eine Kommune in Oberursel kennengelernt. Hier gab es Drogen im Überfluss, einen Guru (Bert) und das Woodstock-Feeling. Damals habe ich auch meinen Spitznamen bei der Polizei bekommen, der bis heute in meinen Akten steht: „der Weinhändler“. Mit 15 Jahren musste ich wegen häuslichen Auseinandersetzungen neun Monate in die Psychiatrie. In dieser Zeit ist mein damaliger bester Freund Anton an einer Überdosis Heroin gestorben.

Mein Vater hatte – als Abschreibungsfirma – eine Weinhandlung. Ich habe an die Leute jede Menge Wein verkauft und vom Gewinn habe ich dann Haschisch geholt. Auch RAF–Leute haben sich da herumgetrieben. Die RAF in Frankfurt hat auch in Oberursel eines ihrer prominentesten Opfer erschießen lassen. Später kam dann noch die Sache mit Herrhausen in Bad Homburg und die Knastsprengung in Weiterstadt. Herrhausen hatte übrigens am Vortag seines Ablebens den Vorschlag gemacht, die Entwicklungsländer auf einen Schlag zu entschulden, was Deutschland sofort zur führenden Industrienation gemacht hätte. Er soll nach seiner Rede noch gesagt haben, dass ihm die Luft zu bleihaltig wäre und deshalb wolle er gehen. Seine Fahrstrecke wurde auch täglich kontrolliert. Es war also praktisch gar nicht möglich, dass jemand zu dem angegeben Zeitpunkt die Bombe unter der Straße versteckt hat. Ein Glück, dass es die RAF gab! Die RAF war ein Kind dieser Zeit und wer da welche Interessen vertreten hat, wird hoffentlich eines Tages bekannt werden. Die RAF hat jedenfalls innerhalb kürzester Zeit das erreicht, wovon unsere Sicherheitsspezialisten nur träumen konnten. Der Staat hatte so die Vollmachten bekommen, die ohne die RAF niemals  denkbar gewesen wären. Mein Anwalt war auch in die RAF Prozesse verwickelt. Er hat heute mit einem ehemaligen Justizminister eine Gemeinschaftskanzlei.

Das erste Mal, als ich die Weltgeschichte hautnah miterlebt habe, war am amerikanischen Militärflughafen in Frankfurt. Es gibt da jedes Jahr einen Tag der offenen Tür. Da war ich mit meiner damaligen Flamme Diana. Ich habe sie sehr lieb gehabt. Sie war nicht sehr groß, blond und hatte noch etwas Babyspeck, obwohl sie knapp 18 Jahre alt war. Mit ihr war ich vor Inge und nach Ariane zusammen. Wir waren auch mit ihren Eltern mit dem Auto auf Elba, wo alles mit Napoleon zu tun hatte - sogar das Mineralwasser. Bei gutem Wetter konnte man Korsika sehen, aber es ist Gott sei Dank weit genug entfernt, um die politischen Spannungen abzuhalten, die es auf Korsika gab. Nur die Feuer wüteten da öfter und das Makkia (Gestrüpp) brennt wie Zunder. Es gibt aber wunderschöne Mineralien in den Steinbrüchen. Wenn man sich die Mühe macht, dort nachzuschauen, dann kann man schöne Stücke umsonst mit nach Hause nehmen. Jedenfalls waren wir an diesem sonnigen Tag auf der Airbase und haben American Eiscreme geschleckt. Hier wurden dann die unterschiedlichsten Jets ausgestellt und manchmal durfte man sogar probesitzen. Auch Formationsflüge von Staffeln wurden gezeigt (bis Ramstein) und auch italienische und kanadische Jets waren am Himmel. Als dann einige Jets aufeinander zugeflogen sind, hat einer der Flieger angefangen, mit den Tragflächen zu wippen. Er ist dann aus der Formation ausgebrochen und flog Richtung Waldstadion. Hinter einer Baumgruppe konnte man dann nur noch einen Feuerball sehen. Später habe ich dann aus den Nachrichten erfahren, dass das der Raketenantrieb des Schleudersitzes war und nicht das Flugzeug. Die Maschine schlug einige hundert Meter neben dem Wäldchestaggelände auf, wo die Frankfurter in Volksfeststimmung ihren „Frankfurter Feiertag“ (Wäldchestag) feierten. Dabei wurde ausgerechnet die Pfarrersfamilie aus dem Bahnhofsviertel von dem Motor der Maschine erschlagen. Ob das Zufall war, weiß ich nicht und ich will es auch gar nicht wissen! Jedenfalls wurde so einer als einer der gefährlichsten Gegner des organisierten Verbrechens in Frankfurt ausgeschaltet, der durch seinen Beruf zu viele Informationen erhalten hatte. Hiermit meine ich insbesondere die Auswüchse des Drogenhandels; teilweise wurden sogar Kinder von den Prostituierten für den Drogenhandel eingespannt, weil sie noch nicht strafmündig waren. Eine Bekannte von mir, namens Tamara, hat so z. B. für einen der Unterwelt-Bosse, Helmut Brandner, dem inzwischen ein ganzer Straßenzug gehörte, dort Heroin verteilt. Brandner hatte später auch das erste Crack-Haus in Frankfurt, ein Hotel. Hier hatten Dealer die Zimmer gemietet und jeder, der das Hotel betreten wollte, musste an der Rezeption Geld bezahlen, um hinein zu kommen. Dieses Geld ging dann zusammen mit den Mieteinnahmen an Brandner. Außerdem war dieser Pfarrer auch ein scharfer Gegner der Startbahn „18 West“. Dass ich diesen Flugzeugabsturz mit angesehen habe, hat mein ganzes späteres Leben verändert. Seit dieser Zeit passierten Dinge in meinem Leben, die nur den Schluss zulassen, dass das kein Unfall war. Dass ich überhaupt noch am Leben bin, verstehe ich selber nicht so ganz.

Das erste Mal habe ich Heroin geschenkt bekommen. Ich sollte für den „Guru“ Bert Haschisch einkaufen und bin mit einem Kumpel (Lutz) bei einem Dealer an der Frankfurter Zeil gelandet. Der Mann hieß Hermann und war aus Sachsen (was man deutlich gehört hat) und er hatte mehrere Wohnungen. Seine Freundin hatte einen teuren Pelzmantel und seine Drogen waren sehr billig. In der Wohnung stand auch eine Marmorstatue – ein Engel - glaube ich. Vermutlich war der von einem Friedhof geklaut worden. Hermann fehlte auch ein halber Finger. Er war aber nicht sonderlich intelligent und hatte kurze Zeit später eine längere Gefängnisstrafe bekommen. Dafür hatte er aber immerhin Stil, was man von den heutigen Drogenhändlern leider nur selten sagen kann. Das Haschisch, welches ich von ihm gekauft habe, war zwar sehr billig, aber es hat nichts getaugt. Lutz kam auf die Idee, das Zeug mit Hundemedizin zu strecken. Das sah dann zwar ganz gut aus, aber es hat natürlich fürchterlich geschmeckt, weil das Haschisch (Libanese) mit Fischmehl gestreckt war. Bert hielt es zunächst für einen Schimmel-Afghanen. Er war damals mit Ursula zusammen. Sie war etwa zwei Jahre älter als ich und Bert war damals schon Mitte 40. Ursula war jedoch ein Biest – aber darauf komme ich später zurück. Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht, aber sie hat in Frankfurt studiert.

In der Kommune an der Hohemark gab es auch noch den „roten Klaus“. Der Spitzname kam von seinen roten Haaren. Er war damals, wie ich auch, Alkoholiker und mit einem Mädel aus Oberursel zusammen. Ihr Vater war Direktor einer Bank. Zu dieser Zeit hatte ich auch das erste Mal Kontakt mit der Polizei. Ich musste wegen irgendeiner Kleinigkeit zu den Grünen und habe da etwas über die Hohemark erzählt. Zunächst gab es eine erfolglose Hausdurchsuchung bei mir. Ich bin dann mit den Beamten ins Gespräch gekommen und wollte denen einige Kilos zuschustern – das Ergebnis war eine Katastrophe für beide Seiten und bei der Verhandlung hat mein Anwalt den Beamten Nazimethoden vorgeworfen. Die Beamten haben mir fast leid getan, aber die hatten halt Mist gebaut. Das Problem war einfach, dass die Beamten kein Vertrauen zu mir hatten und so kann man halt nicht zusammenarbeiten. Etwa zur gleichen Zeit habe ich meine ersten LSD–Trips genommen. Ich wollte für 20 DM Hasch am Stadtbad Mitte in Frankfurt kaufen. Es gab aber nur LSD und davon hatte ich keine Ahnung. Man hat mir zwei kleine rote „Mikros“ verkauft. Die Dinger waren etwa halb so groß wie Feuersteine. Auf dem Heimweg habe ich dann beide in der Straßenbahn genommen. Ich hatte einen Horrortrip, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Schließlich hat mich meine Adoptiv-Mutter ins Krankenhaus gefahren, wo ich Atosil (Wirkstoff: Promethazin) bekommen habe und langsam ging es dann auch wieder besser. Heute bin ich der Meinung, dass LSD in der Hand eines geschulten Psychologen oder Psychiaters ein wertvolles Medikament sein kann. Während eines solchen Trips werden die Dinge deutlich, die man ganz tief vergraben und verdrängt hat. Jedenfalls kann ich nur davon abraten, mit dem Zeug herum zu experimentieren; ich habe genügend Bekannte, die deswegen lebenslang psychiatrische Behandlung benötigen oder sogar in der geschlossenen Psychiatrie leben.

Neben Alkohol und Hasch habe ich auch jede Menge Psychopharmaka konsumiert, was mir zweimal fast das Leben gekostet hat! Einmal habe ich absichtlich eine Überdosis genommen, um Schuss zu machen. Der Arzt, Dr. Fink, hat mich aber in letzter Sekunde zurückgeholt. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, aber ich war dann doch froh, überlebt zu haben. Das zweite Mal habe ich ein Neuroleptikum namens Dezentan genommen, ohne den „Waschzettel“ zu lesen. Am nächsten Morgen hatte ich ganz schlimme Krämpfe. Mein Rücken hat sich durchgebogen und die Schmerzen waren die schlimmsten, die ich jemals erlebt habe. Strychnin soll so ähnlich wirken. Der Notarzt wusste zunächst nicht, was mit mir los war und ich war kaum noch in der Lage, etwas zu erklären und ich habe erst gar nicht an das Dezentan gedacht. Jedenfalls habe ich dann Valium gespritzt bekommen, das hat dann geholfen. Danach kam ich ins Krankenhaus und nach der 5. Valium-Spritze bin ich dann gegangen. Ich hatte ja selber noch massenweise Valium zuhause. Ein uralter Arzt, bei dem ich auch autogenes Training gelernt habe, hatte die Psychopharmaka kistenweise herumstehen und ich musste mich nur bedienen. Das autogene Training mache ich heute noch. Es hilft mir zur Ruhe zu kommen.

Ich habe nicht gleich nach dem ersten Mal weiter Heroin genommen. Jahrelang habe ich „nur“ Codein und Alkohol konsumiert. Heroin war mir zu stark. Beim ersten Mal habe ich es geschnupft und war fast zwei Tage lang platt. Das zweite Mal war dann etwa vier Jahre später. Ich hatte damals schon meinen Führerschein und hatte in einer „Äppelwoi-Kneipe“ eine ganze Menge getrunken. Dann habe ich einen alten türkischen Schulkameraden namens Mustafa getroffen, der ganz in der Nähe wohnte. Er hat mir meinen ersten Schuss gesetzt und beinahe wäre es auch mein letzter gewesen. Mustafa dachte, dass ich Heroin gewohnt wäre und hat dementsprechend viel für den Schuss aufgekocht. Dann hatte ich auch noch eine ganze Menge getrunken. Mustafa hat dann auch gleich gemerkt, dass es zu viel war, aber ich bin hart im Nehmen. Die Nacht war stürmisch und es hat wie aus Eimern gegossen, als ich mit meinem alten VW Käfer mit Tempo 30 die ca. 50 km nach Hause geschwebt bin. Mir fielen ständig die Augen zu und ich dachte immer nur: “Bitte lieber Gott, lass mich heil nach Hause kommen“. Das habe ich an dem Abend mit Gottes Hilfe auch noch geschafft. Damals war ich noch nicht wirklich gläubig. Ich habe nur gebetet, wenn es mir schlecht ging. Zu Gott habe ich erst später gefunden. Ich musste erst noch viele Dinge begreifen, um zu verstehen, wie wichtig Gott in meinem Leben ist. Leider kann ich hierzu auch niemandem Ratschläge geben. Gott spricht mit leiser Stimme und jede(r) kann sie hören; wenn er (sie) es wirklich will.

Donnerstag, 22. September 2011

Becky im Kiffer-Paradies

Plötzlich war alles anders!

Eigentlich war ich ja früher schon oft mit Leuten zusammen, die regelmäßig mit Haschisch zu tun hatten. Erst schon als Kind, während ich immer bei meiner Tante Miriam und ihren Rocker-Freunden dabei war und dann später im Alter von 13 Jahren, als ich mit ein paar Freundinnen mit den älteren Kiffern aus unserer Stadt („älter“ hieß damals, dass sie um die 18 bis 20 Jahre alt waren…) auf deren Festen rumgehangen bin. Sie haben damals alle Haschisch geraucht und viel Alkohol getrunken, aber vor unseren Augen haben sie nie mit Drogen herumhantiert. Sie waren zu uns irgendwie so wie große Brüder. Keiner von denen hat je mit einem Mädchen von uns was angefangen und außer 2 oder 3 Bier bekamen wir pro Party da gar nichts. Sie dachten sich wahrscheinlich, sie lassen uns lieber an ihren Festen mitmachen und haben ein Auge auf uns, als dass wir an die falschen Typen geraten und uns was passiert.

Aber jetzt, da ich mit Matthias zusammen war, verstand ich mich endlich auch als ein vollwertiges Mitglied sozusagen, weil ich zum ersten Mal ebenfalls als Konsument dabei war. Ich lernte Matthias´ ganzen Freundeskreis kennen und das waren einige! So viele neue Leute! Es war eine aufregende Zeit! Damals war das Kiffen für mich wie so eine Art Religion. Das ganze Joint-Bauen und Herumreichen von einem zum anderen war wie ein Ritual. Jeder zog ein paar Mal am Joint an und gab ihn dann weiter, so dass jeder einmal dran kam. Das war so in unserer Stadt. Etwas schwierig wurde es erst dann, wenn wir mit Leuten aus dem Nachbar-Dorf Haschisch rauchten. In dem Dorf, in dem Stefan und auch der Hessische Bajuware wohnten, war das Rauch-Ritual geringfügig anders. So gab es auch bei den Kiffer-Gewohnheiten Unterschiede zwischen bayerischen Dörfern und Städten, wie auch manche Ausdrücke in der Sprache. Der bayerische Dialekt ist ja sowieso sehr speziell, aber es gibt auch da noch enorme Unterschiede, die wahrscheinlich von Nicht-Bayern gar nicht wahrgenommen werden. Vermutlich ist das aber überall so und jedes Dorf und jede Stadt – egal in welchem Bundesland – hat seinen eigenen Dialekt und seine ganz individuellen Wörter. Jedenfalls war es in dem Nachbardorf üblich, dass jeder so lange an einem Joint anzog, bis er etwas davon gemerkt hat. So gingen in der Runde dann eben einige leer aus und man baute dann den nächsten Joint oder aber, wenn man es wusste, ließ man vorsichtshalber meistens in weiser Voraussicht gleich schon mal zwei Joints gleichzeitig kreisen. Aus diesem Grund entstanden damals auch Riesen-Joints, gebaut mit mindestens 10 Zigaretten-Blättern (Papers). 

Zusätzlich zu dem Rauch-Ritual und den neuen Leuten hat mich Matthias auch in sämtliche andere neue Welten eingeführt… So lernte ich in diesem Jahr viele neue Filme kennen und lieben und ganz viel neue Musik! Ich verstand auch so Filme wie „Hair“, „The Wall“, „Woodstock-Festival“, „Keoma“, „Warriors“, „Quadrophenia“, usw., als eine Art Religion. Vor allem „Hair“! Die Auffassung, dass alle in Frieden und Freiheit miteinander leben mit freier Liebe und den Konsum von „weichen“ Drogen gefiel mir sehr. Klamottenmäßig war ich ja bereits im Hippie-Look unterwegs und meine Gesinnung hat sich sozusagen automatisch angepasst, denn es schien mir beinahe so, als ob das meine wahre Natur war. Ich ging mit Matthias auch auf so einige Demos und zu Veranstaltungen von der Friedensinitiative unserer Stadt. Es fühlte sich so an, als hätte ich endlich meine Bestimmung und meine wahre Natur gefunden - so als hätte ich endlich zu mir selbst gefunden! Im Grunde hat sich diese Einstellung bis heute nicht geändert – bis auf einige Einschränkungen, denn ich habe im Laufe der Jahre auch feststellen müssen, dass die „freie Liebe“ so ihre Tücken hat und dass für ein friedliches Leben auch das Umfeld passen muss. 

Außerdem eröffnete sich auch eine völlig neue Welt der Musik für mich! Zwar hat Musik mein ganzes Leben begleitet, weil bei uns zuhause immer das Radio lief, aber erst da habe ich verstanden, dass man Musik fühlt und nicht nur hört. Alles, was wir damals unternahmen, war von Musik begleitet. „Pink Floyd“, „Planet P.“, „Andreas Vollenweider“, „Sade“, „Eloy“, „Broken Home“, „America“, „Neil Young“, „The Sensational Alex Harvey Band" und „Eric Clapton“ fallen mir da auf Anhieb ein.

Ich empfand das Haschischrauchen keineswegs als Absturz oder als etwas, das mir schadete. Vielmehr hat es mir gut getan und ich nahm mein Leben bewusster wahr. Darüber hinaus musste ich jetzt nicht mehr unkontrolliert irgendwelche Tabletten nehmen oder rauchen und ich hatte auch kein Verlangen mehr danach, mir die Arme aufzuritzen. Wir waren ganz viel in der Natur. Mit Matthias´ Jeep machten wir die Gegend unsicher. 

Meine Tante & mein Onkel beim Erdpfeife-Bauen
Im Wald bauten wir uns öfter mal eine Erdpfeife und hörten Musik dabei. Eine Erdpfeife wird – wie der Name schon sagt – in die Erde hinein gebaut. Es ist nicht ganz so leicht, denn man muss zwei kleine Löcher am besten in weichem Lehmboden bohren, die sich unter der Erde treffen. Während man in ein Loch ein Röhrchen steckt (man nimmt da am besten so ein Bambus-Rohr, das man im Wald oder auf der Wiese findet und aushöhlt), kommt in das andere Loch als „Boden“ etwas Tabak und darauf dann die Haschisch-Tabak-Mischung. Man kniet sich davor und zieht am Röhrchen, während man die Mischung anzündet. Eine Erdpfeife wirkt so dermaßen stark, dass ich danach meistens für eine Weile erst einmal im Gras liegen geblieben bin…

Erdpfeife


Eimer-Rauchen
Es gibt schließlich auch so Dinge wie das „Eimer-Rauchen“, aber das ist bedeutend weniger romantisch und natürlich und wird meist daheim konsumiert, aber es wirkt eigentlich ebenso stark wie die Erdpfeife. Dabei schneidet man eine Plastikflasche unten ab, legt einen Joint zwischen den Fingern so auf den offenen Hals der Flasche, dass sich der Rauch beim langsamen Herausziehen der Flasche aus einem mit Wasser gefüllten Eimer im Innenraum der Flasche sammelt. Schließlich geht man mit dem Mund an die Flaschenöffnung und katapultiert den gesamten Rauch auf einmal in seine Lunge, indem man die Flasche wieder nach unten ins Wasser drückt.
Für die Lunge ist Haschisch natürlich nicht so toll, laut Wikipedia ist ein Joint 50 mal so schädlich wie eine Schachtel Zigaretten. Dennoch fand ich schon immer, dass Marihuana und Haschisch legalisiert werden müssten. Der Meinung bin ich eigentlich auch heute noch und so ist Cannabis die einzige Droge, die ich auch heute noch ab und zu konsumiere. Im Vergleich zu Alkohol richtet das Rauchen viel weniger Schaden an. Abgesehen davon ist Cannabis eine friedliche Droge und ich habe auch noch von keinem gehört, der an einer Cannabis-Überdosis gestorben ist. Außerdem würde kein Cannabis-Konsument aggressiv werden und beispielsweise seine Frau und Kinder schlagen oder anderweitig Amok laufen. Kiffer sind eher ruhig und froh, wenn ihnen keiner was tut! Ganz anders als bei Alkohol! Dabei ist aber zu erwähnen, dass es dieses holländische Marihuana, welches heutzutage weitverbreitet zu finden ist, sehr in sich hat, denn es ist über Jahrzehnte so gekreuzt und gezüchtet worden, dass es einen THC-Gehalt von bis zu 20 % enthält und somit nicht mehr als "weiche Droge" einzustufen ist. Die Wirkung davon ist enorm stark! Einige Jugendliche haben ernsthafte Probleme und kriegen vor lauter Rauchen ihr Leben nicht mehr auf die Reihe. 

Allerdings ergaben sich damals auch so einige Schwierigkeiten. Zum einen ging mir die besorgte Frage meiner Mutter: „Hast du geweint oder warum hast du so rote Augen?“ mit der Zeit ziemlich auf den Geist und ich hatte natürlich auch ein schlechtes Gewissen, sie jedes Mal anzulügen und zu versuchen, sie mit der immer gleichen Antwort wieder zu beruhigen, nämlich: „Ach, weißt du Mama, das kommt vom Luftzug beim Fahren im offenen Jeep!“. Meistens war sie damit zufriedengestellt, aber dennoch hatte sie so ihre Zweifel. So habe ich schließlich auch meine angeritzten Arme immer meinem armen Perserkater in die Schuhe (oder Pfoten?) geschoben.

Außerdem war es so, dass drei von uns sechs guten Freundinnen, die wir uns immer am Stammtisch getroffen haben und so lange so eng befreundet waren, sich für die illegalen Drogen interessierten und die beiden Freundinnen Sabrina und Christiane auch immer öfter mit mir zu Matthias mitgegangen sind und dann auch mitgeraucht haben. Die anderen drei Mädchen waren davon überhaupt nicht begeistert und auch einige andere aus unserer früheren Clique. So hat sich das alles zerschlagen und ich habe seitdem die drei Freundinnen, die „brav“ geblieben sind, nicht mehr gesehen, bzw. keinen Kontakt mehr gehabt. Das war sehr schade, auch wenn viele neue Bekannt- und Freundschaften dazu gekommen sind. Sabrina, damals meine beste Freundin, war sehr sauer und neidisch, als ich ihr von meinem ersten Joint mit Matthias erzählte und so nahm ich sie relativ schnell mit zu ihm. So fuhren wir mit ihr mal mit dem Jeep ins Grüne, rauchten einen Joint und fuhren schön langsam wieder in unsere Stadt zurück, weil wir zu Matthias heim wollten. Da wurde Sabrina schlecht und sie kotzte schließlich mitten in der Stadt hinten aus dem Jeep raus! Tja, das war nicht so toll, aber ich hätte es wissen müssen, denn mir wurde beim ersten Mal ja auch so übel. 

Ich fühlte mich wohl zu dieser Zeit, denn endlich hatte ich nicht nur einen Freund, der ein Auto hatte, sondern der mich auch noch regelmäßig mit Haschisch versorgte. Damals rauchten wir den. „Grünen Türken“, so hieß der damals (Informationen darüber im Anhang). Haschisch kostete damals 12,50 DM pro Gramm. Manchmal gab es da aber auch schon den sogenannten „Eier-Shit“, das war ein Stück dunkelbraunes Haschisch von 250 Gramm (ein ganzes Ei wog so viel) und darauf war dann oft noch ein goldener Stempel aus Marokko. Das Stück Haschisch war geformt wie ein ovales Ei und außen war es dunkelbraun und innen etwas gelblich (darum der Name). Das war dann immer ein absolutes Schmankerl! 

Das war also der Anfang meiner Drogenkarriere.

Liebe Grüße,
Becky


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Informationen zum "Grünen Türken"

Das Harzpulver aus den türkischen Pflanzen wird unter Hochdruck und großer Hitze in Kalkgruben gepresst. Durch diesen Prozess entsteht später das charakteristische Knackgeräusch, das es beim Zerbrechen macht. Die manchmal leicht grüne Farbe kommt angeblich daher, dass in der Türkei mit zermahlenen Grasblättern gestreckt wurde (was aber wirklich noch das humanste Streckmittel von allen ist!). Möglicherweise wird aber auch nur sehr grob gesiebt, wodurch viele grüne Pflanzenteile im Harz landen.

Die Türkei - ein Land zwischen zwei Kontinenten
Heutzutage kommen die typischen "Euro-Platten" nur noch selten aus der Türkei, sondern in der Regel aus Marokko. Der Opiumanbau hat das Cannabis in der Großproduktion eindeutig verdrängt. Der Qualität von türkischem Haschisch hat der Untergang der Massenproduktion allerdings auf keinen Fall geschadet. Wenn heute mal erhältlich, dann meist in guter Qualität. Die Potenz des Türken reicht von leicht bis mittel.  Der THC-Gehalt liegt bei handels-üblichen Sorten zwischen 5% und 8%, bei guten natürlich auch höher.

In den 20er Jahren haben türkische Zigaretten teilweise noch Haschisch enthalten. Seit 1925 ist Marihuana auch in der Türkei illegal, auf Druck anderer Staaten Europas. Wie gesagt wird heutzutage nicht mehr viel Dope produziert, die Türkei ist aber ein äußerst wichtiges Land für den Transit-Drogenhandel zwischen Asien und Europa.
 
Der klassische "Grüne Türke"